«Arbeit für Alle»

«Arbeit für Alle» – mit diesem Slogan wirbt eine große deutsche Partei derzeit um die Gunst der Wählerinnen und Wähler. Im Regierungsprogramm vom Juni hieß es noch: «Wir stehen weiter ein für unser Ziel ‹Arbeit für alle›». In der Kurzfassung ist aus dem kleinen A ein großes geworden. Da muss wohl ein Praktikant beim Abtippen einen Aussetzer gehabt haben.
Und weil beim Phrasendreschen das Denken offenbar abgeschaltet wird, hat das Wahlkampfteam den Fehler übernommen und auf Flugblättern und Argumentationshilfen in Großauflage unters Volk gebracht.
Fern der Hauptstadt, an der Parteibasis, scheint man der Zentrale blind zu vertrauen. Und so verspricht auch der örtliche Kandidat in einer Postwurfsendung «Allen» Arbeit. Meinte es die Partei mit ihrem Versprechen ernst, hätte sie bei sich selber angefangen und eine unterbezahlte Lektorenkollegin mit einem Miniauftrag beglückt: Für geschätzte 0,001 Prozent des millionenschweren Wahlkampfetats hätte man sich eine Peinlichkeit ersparen können.

Sie finden das alles nicht besonders aufregend? Ich auch nicht. Aber man ist ja dankbar für jede Kleinigkeit in diesen Tagen – in denen Schlamperei und ein falscher Buchstabe das Zeug dazu haben, die Höhepunkte der Saison zu werden.

About the author: Jörg Exner

Jörg Exner ist Lektor, Texter und Medienprofi mit Passion für sprachliche und typografische Feinheiten.

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