Pseudoverlage

Verlegen kommt von vorlegen: Ein Verlag finanziert die Herstellung und Verbreitung eines Buches vor. Er hofft, dass es sich gut verkauft, die Kosten wieder einspielt und schließlich einen Gewinn abwirft. Die Autorin wird in der Regel mit einem Honorar am Absatz beteiligt. Wenn die Sache schiefgeht und die Leser die Nase rümpfen, geht der Autor leer aus und der Verlag bleibt auf den Büchern und den Kosten sitzen. Das ist sein unternehmerisches Risiko.

Es gibt aber auch Unternehmen, die dieses Risiko nicht tragen, sondern den Autor selbst zur Kasse bitten. Faktisch erbringen sie eine Dienstleistung und werden dafür vergütet. Das ist nicht verwerflich, solange dies offen kommuniziert wird und Kostentransparenz herrscht.

Bedenklich wird es dann, wenn das Ego des (angehenden) Autors gebauchpinselt wird, um ihm die Scheine aus der Tasche zu locken – ohne dass den horrenden Forderungen eine angemessene Leistung gegenübersteht. Spiegel online berichtet über ein Experiment, das Aufschluss über die Methoden dieser Pseudoverlage gibt:
«Mit vollmundiger Werbung locken Zuschussverlage Möchtegern-Autoren. Die müssen ordentlich zahlen, wenn sie sich gedruckt sehen wollen. Eine Aktivistengruppe machte die Probe aufs Exempel – und entdeckte eine Branche zwischen Geschäftemacherei und Dada.»
Zum vollständigen Beitrag

Held des Feldversuchs ist der fiktive Hobbyschreiber Rico Beutlich. Überzeugen Sie sich selbst von der literarischen Qualität seines «Werkes», das bei den «Verlagen» teils heftige Begeisterung auslöste:

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About the author: Jörg Exner

Jörg Exner ist Lektor, Texter und Medienprofi mit Passion für sprachliche und typografische Feinheiten.

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